Sonntag, 13. März 2011

Selig sind die Lyrikerinnen ...

Zeitgenössische Lyrik als Auftragswerk - die Wochenzeitschrift "Die Zeit" hat die Lyrikerin Monika Rinck beauftragt, Gedichte zu politischen Themen zu verfassen. Zwei ihrer Gedichte ("Die Zeit" vom 10. März 2011) können Sie hier lesen:
Politik und Lyrik Nr. 1
Ein Interview mit der Autorin im ZDF gibt es dort:
Lyriker übernehmen die Streitkräfte.

Herzlichen Dank für die Link-Tipps an Dr. Susanne Krones!

Dienstag, 22. Februar 2011

Neue Medien: Film und Radio

Neue Medien – Film und Radio

Ablauf der Entwicklung von Medien:

- Mittelalter

o Ausschließlich mündliche Überlieferung sämtlicher Informationen und Geschichten

o Problem: Veränderungen der Texte beeinflussten ihren Wahrheitsgehalt, Analphabetismus

- Neuzeit

o Wandel von hörendem Publikum zu lesendem Publikum

o Rückzug aus der Gemeinschaft -> alleinige Auseinandersetzung mit Literatur bevorzugt

- Moderne

o Erneuter Kulturwandel:

o RADIO:

o 1920: erstmalige Nutzung des Radios ermöglicht

o Gewisse Zurückversetzung in antike Verhältnisse -> Leser wird zunehmend wieder zum Zuhörer, ohne besondere Kulturtechniken (Lesen) beherrschen zu müssen

o Menschen bekommen ein umfangreiches Paket geliefert (Unterhaltung, Information, Meinung und Wertung)

o Radio erfreut sich großer Beliebtheit -> rasche Verbreitung

o Problem: Nutzung zur politischen Manipulation großer Bevölkerungsschichten -> nach 1945: rechtliche Maßnahmen gegen Missbrauch

o FILM:

o 1895: Erste Filme in Berlin und Paris

o Filmdramaturgie übersteigt Theaterdramaturgie (mehr Möglichkeiten)

o Freiheiten des Films, wie „Schnitt“ oder „Kontrast“ wurden intensiv genutzt -> neue Wirklichkeiten konnten konstruiert werden

o Aufgabe des neuen Mediums: künstlerische Aussagen zeigen

o Durch neue Formen der Schauspielkunst wurden Schauspieler zu Idolen

o Entstehung neuer literarischer Formen (z.B. Dokumentation, Drehbuch, Kulturfilm)

o Entwicklung von „Individuenkultur“ zur „Massenkultur“

o Problem: Nutzung auch dieses Mediums zur Massenpropaganda -> Zweiter Weltkrieg (Beispiele: Goebbels Rede im Berliner Sportpalast, Propagandafilme zur deutschen Hitlerjugend)

o Entwicklung von speziellen Filmen für bestimmte Gruppe, vor allem in Frankreich

„Erfahrungsbericht“ von Robert Walser: Radio (Buch S. 140 f.)

Inhaltszusammenfassung und Analyse

Der Ich-Erzähler ist verwundert über die Vielfalt an Informationen, welche über das Radio preisgegeben werden (Sportergebnisse, Gedichtvorträge, Z. 9 und 12). Zudem fasziniert ihn das unpersönliche Verhältnis zwischen Sprecher und Zuhörer. Der Erzähler kritisiert einerseits den Verlust von zwischenmenschlichem Kontakt in Form von direkten Gesprächen, ist aber andererseits angetan von der Möglichkeit, große Distanzen zu überwinden („wie in England Cello gespielt wurde“ , Z. 20 f.).

Schnell schwenkt der Erzähler ab zum veralteten Schriftmedium und spricht über eine dort angebotene Arbeitsstelle. Dabei wird indirekt darauf verwiesen, dass es von großer Wichtigkeit ist, eine breite Allgemeinbildung zu besitzen, die man mithilfe solcher veralteten Medien erlangen kann. „Allgemeine Bildung, heißt es in der Annonce, sei die Hauptbedingung.“ (Z. 49 f.)

(JI/JS)

Literatur in der Weimarer Republik: Roman

Literatur in der Weimarer Republik (1919-33): Der Roman

1. Entstehung des Romans

· Ursprünglich unterhaltende Gattung

-> erfundene Handlungen dienten zur Unterhaltung

· triviale Literatur, oft mit Abenteuer, Schauereffekten oder höfischen Beschreibungen wird zur literarischen Gattung, die die Auseinandersetzung des „Ich“ mit der Welt vorführt

-> Aufnahme zeitgenössischer philosophischer, wissenschaftlicher und pädagogischer Gedanken

-> verschiedene Erzähltechniken

· Abenteuer-, Entwicklungs-, Bildungs- und Zeitromane als literarische Gattung

· Durch vielfältige Handlungen, wechselnde Perspektiven und realistische Darstellungen soll die Spiegelung der Welt (= erfahrbare Wirklichkeit) dargestellt werden

· 19. Jh.: Frankreich, England, Russland, Skandinavien verwenden neue Lebensbereiche im Roman -> Geschichten aus Bürgertum, Industriestädten, von verarmten Bauern, Fischern und Intellektuellen werden zum Inhalt romanhafter Gestaltungen

· Deutschland: bürgerlicher Entwicklungs- und Bildungsroman

-> zeigt Entwicklung des gebildeten Menschen durch Begegnung mit Kunst und Literatur, Sprachen, Musik und Theater, Wirtschaft und Technik

· Allen diesen Gebildeten fehlt , obwohl sie das Ideal des Bürgertums verkörpern, die Begegnung mit dem Politischen und das Ziel, eine Gemeinschaft zu gestalten

· Jahrhundertwende: Gefährdung der politischen Ordnung

-> mit 1. Weltkrieg Vernichtung des Kaiserreichs

· Wirkung auf Roman nach 1918 nachhaltig

-> traditionelles Bürgertum existiert nicht mehr als einheitliche Gruppe

-> unterschiedliche soziale Schichten (-> Parteienbildung, links-/rechtsorientiert)

-> Leser erwarten im Roman eine Spiegelung ihrer Welt, ihrer Gedanken und Erfahrungen

· Moderner Roman: 20er, 30er Jahre (Thomas Mann, Franz Kafka, Alfred Döblin, Robert Musil)

-> keine einheitlich strukturierte Welt mehr

-> an Stelle der Welteinheit tritt bestenfalls noch der Erzähler

-> auch diese Person zerfällt unter dem Einfluss der Psychoanalyse, Sprachkrise und politischer Interessenbildung

-> Roman als Spiegel einer zerfallenen Welt (Ich-Zerfall, Expressionismus)

-> Roman als Spiegel der Moderne


2.
Thomas Mann: Der Zauberberg (1924) als Beispiel eines Bildungsromans

2.1 Inhalt

· Der Hamburger Hans Castorp besucht seinen lungenkranken Vetter im Lungensanatorium Berghof bei Davos (Luftkurort in der Schweiz)

· Zuerst befremdet über die „hier oben“ herrschende Lebensart, ordnet er sich zögernd in den Kurbetrieb ein

-> will sich nicht verändern, nicht lang bleiben (vgl. S.118/ Z.141ff. KennWort 13)

· Sanatorium auf Profit aus, reißt Patienten aus bürgerlichen Verhaltensweisen, werden in einen Zustand der Zeitlosigkeit und Pflichtvergessenheit versetzt

-> „Man ändert hier seine Begriffe“ prophezeit der Vetter

· Vetter beschreibt Zauberberg als mystische, traumverlorene Welt

-> Gegenbild zu herrschender Ordnung und Disziplin im „Flachland“

· Castorp will zunächst nur drei Wochen in Davos bleiben, eine Erkältung führt zu einer Verlängerung seines Aufenthalts

-> zunehmendes Desinteresse an der Welt im Flachland

· Lodovico Settembrini, Italiener, Aufklärungsoptimist, Republikaner und Humanist drängt ihn zur Abreise

· Castorp verliebt sich jedoch in die Russin Clawdia Chauchat

-> bleibt wegen ihr länger im Sanatorium (spätere Liebesbegegnung nur angedeutet)

· sieben Monate von insgesamt sieben Jahren, die er im Sanatorium verweilt, sind zu diesem Zeitpunkt verstrichen

· Auftreten des Jesuit und Kommunist Leo Naphta

-> Streitgespräche mit Settembrini

-> Beide fühlen sich als Mentoren von Hans Castorp -> konkurrieren um seine Gunst, wollen ihn beeinflussen

· Clawdia reist ab, Settembrini zieht in ein Bergdorf, auch der Vetter verlässt das Sanatorium, kehrt aber zum Sterben wieder zurück

· Castorp langweilt sich, ist möglicherweise depressiv, hört Musik (z.B. Schuberts Lindenbaum)

· „Große Gereiztheit“ , Streitgespräche zwischen Naphta und Settembrini eskalieren

-> Pistolenduell zwischen Naphta und Settembrini -> Naphta tötet sich selbst, Settembrini schießt in die Luft

· Krieg als „Donnerschlag“, der morbides Treiben beendet

-> Bewohner verlassen den Berghof, Castorp zieht mit Kameraden in den Krieg

Der Anfang des Romans sowie eine knappe Inhaltszusammenfassung kann im „KennWort13“ (S. 116-119) nachgelesen werden.


2.2 Merkmale des Bildungsromans

· Bildungsroman setzt sich mit Verhältnis seiner Hauptfigur zu mehreren Weltbereichen auseinander

-> Zauberberg: „Flachland“ und Sanatorium „hier oben“ -> unterschiedliche Lebensarten

· Beeinflussung eines jungen, naiven Menschen durch seine Umwelt

-> trifft auf Hans Castorp zu, der erst nicht lange bleiben wollte und seinen Aufenthalt auf sieben Jahre ausweitet wegen dem neuen Lebenswandel, der im Sanatorium herrscht und auch wegen Clawdia

· Bildungsroman ähnlich Biographie, Bildungsbegriff spielt wichtige Rolle

-> Kapitel „Schnee“: Hans bricht zum Skifahren auf, hat einen Traum, indem Thomas Mann seine Gedanken verfasst und seine Überlegungen über „Tod-Leben“, „Krankheit-Gesundheit“ und „Geist-Natur“ für den Leser niederschreibt

-> Martin Walser (deutscher Schriftsteller) sagt: „Der Roman erzählt, je länger er dauert, desto weniger von Castorp und desto mehr von Thomas Mann“

· Typisch für Bildungsroman auch:

· Castorp verlässt sein Elternhaus und begegnet im Sanatorium Kunst, Politik und der Liebe (verschiedene Bereiche)

· lernt verschieden Ideologien kennen -> Gespräche von Settembrini (Republikaner) und Naphta (Kommunist)

· aber anders als im klassischen Bildungsroman führt die „Erziehung“ auf dem Zauberberg nicht dazu, Hans Castorp in ein tüchtiges und selbstbewusstes Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft zu wandeln, sondern sein Entwicklungsprozess mündet ins Leere

àSoldat im 1. WK, dadurch kein Individuum mehr, Leser erfährt nicht, was mit ihm passiert

· Zauberberg als klassischer Roman umstritten


2.3 Geschichtlicher Zusammenhang

· Roman „Der Zauberberg“ zwischen 1913 und 1924 entstanden

· 1912 verbrachte Thomas Manns Frau mehrere Monate in einem Davoser Lungensanatorium

· Unterbrechung des Schreibens durch 1. WK, der im Zauberberg am Schluss auch gewisse Rolle spielt

· Thomas Mann verarbeitet auch unterschiedliche Ansichten der Bürger in der Weimarer Republik

-> Settembrini und Naphta -> Parteienbildung in der Weimarer Republik

· reflektiert aber auch seine eigenen Gedanken -> wendet sich Demokratie und Weimarer Republik zu

-> äußert sich jedoch skeptisch über die extremen Standpunkte Settembrinis und Naphtas

-> räumt aber ein, dass ihm Settembrini näher stehe als Naphta

(CF)


Hermann Hesse: Siddhartha- Eine indische Dichtung

Inhalt:

  • Der Roman Siddhartha handelt vom jungen Bramahnen Siddhartha und seinem Freund Govinda, sie leben ca. 500 v.Chr. in Indien
  • Als Asketen durch ihre Stadt ziehen, erwacht in Siddhartha der Wunsch, auf die Reichtümer seiner Familie zu verzichten und sich ihnen anzuschließen

-> Von da an sieht Siddharhta nur noch verächtlich auf schöne und reiche Menschen und junge Frauen

  • 3 Jahre ziehen Siddhartha und Govinda mit den Asketen durch das Land und lernen von ihnen
  • Nachdem die beiden sie verlassen haben, begegnen sie Gautama, den Buddha

-> Sie erkennen ihn sofort an seiner Ruhe und seinem Auftreten

  • Gowinda schließt sich Gautama an und wundert sich, dass Siddhartha es nicht tut

-> Dieser glaubt, dass er das, was er durch Askese suchte, nicht findet, und will seinen eigenen Weg gehen

  • Er begegnet der schönen Kamala, die ihn nur nehmen will, wenn er Geld besitzt und schöne Kleidung hat -> Siddhartha bringt es zu Erfolg bei Geschäften und zu viel Geld
  • Doch er verliert die Geduld und dieses Leben beginnt ihn anzuöden

->Mit 40 Jahren wendet er sich enttäuscht von diesem Leben ab und zieht fort

  • Am Ufer eines Flusses denkt er daran, sich umzubringen

-> Er unterlässt es aber und schläft ein

  • Später erzählt er einem Fährmann, dass er bereits als Kind wusste, dass Geld und Reichtum nicht gut sind

-> Siddhartha bleibt beim Fährmann und wird sein Gehilfe

  • Als Gautama im sterben liegt, pilgern viele seiner Anhänger zu ihm

-> So auch Kamala mit ihrem Sohn, dessen Vater Siddhartha ist

  • Doch Kamala wird von einer Schlange gebissen und stirbt bei Siddhartha, den sie am Fluss trifft
  • Der Sohn aber erweist sich verwöhnt und widerspenstig

-> Siddhartha versteht dieses nicht, da er selbst ganz anders ist

-> Der Fährmann weist ihn darauf hin, dass der Sohn nicht freiwillig auf Reichtum verzichtet hat

  • Eines Tages stiehlt der Sohn das Geld der beiden Männer und flieht

-> Siddhartha läuft ihm nach, aber der Fährmann holt ihn zurück

  • Langsam erreicht Siddhartha die Erkenntnis, was Weisheit sei, und wonach er so lange gesucht hat

-> Es war die Bereitschaft der Seele, den Gedanken der Einheit zu denken

  • Das ist der Zeitpunkt für den Fährmann allein in den Wald zu ziehen
  • Siddhartha bleibt allein am Fluss
  • Govinda erfährt davon und geht zu Siddhartha

-> Verzweifelt fragt er diesen um Rat

  • Govinda kommt vor lauter Suche nach der Weisheit nicht zum Frieden
  • Siddhartha erklärt ihm, was er darunter versteht

-> “Wissen könne man mitteilen, Weisheit aber nicht. Man kann sie finden, leben, von ihr getragen werden”

Geschichtlicher Zusammenhang:

  • Herrmann Hesse sich in den Jahren um 1921 mit dem Studium Chinas und Indiens
  • In Siddhartha setzt er sich mit dem Geist des Ostens auseinander
  • Er schuf damit eine prosaische Darstellung aus eigener Sicht
  • Viele Namen in seinem Roman sind aus der indischen Kultur entnommen
  • Ebenso geht er auf religiöse Vorstellungen des Hinduismus und Buddhismus ein

-> z.B. Siddhartha nach Buddha Siddhartha Gautama

Entwicklungsroman:

  • Bezeichnet einen Romantypus, in dem die geistig-seelische Entwicklung der Hauptfigur in ihrer Auseinandersetzung mit sich selbst und mit der Umwelt dargestellt wird

-> Siddhartha ist auf die Suche nach seinem inneren Frieden und der Weisheit

  • Schildert den Reifeprozess der Hauptfigur der seine Erlebnisse und Erfahrungen verarbeiten muss und sie in seine Persönlichkeit einschließt

-> Siddhartha zieht durch das Land und erkennt mit der Zeit, was für ihn Weisheit ist

  • Aus der Sicht des Lesers muss nicht unbedingt eine höhere Befähigung oder Bildung am Ende der Entwicklung der Hauptfigur stehen
  • Häufig behandeln Entwicklungsromane negative Erfahrungen, die die Entwicklung der Persönlichkeit beeinflussen

-> Siddhartha wird durch seine Reise ein anderer Mensch

  • Indem der Romanheld “in sich geht” erlangt er die Erkenntnis, dass er unerreichbare Ziele verfolgt und schwere Fehler begangen hat

-> Siddharthas Wunsch nach Weisheit und Frieden scheint ihm unerreichbar zu sein

-> Seine Rückkehr in den Reichtum sieht er im Nachhinein mit Ekel

  • Die Eingeständnis schafft die Möglichkeit, umzukehren und einer anderen Richtung zu folgen

-> Siddhartha sieht ein, dass Reichtum nicht das Wahre Leben ausmacht und verlässt die Stadt wieder, um sich der Ruhe und Einfachheit hinzugeben

(ML)

Samstag, 19. Februar 2011

Literatur in der DDR

Die Literatur in der DDR umfasst alle Werke, die ab 1945 in der sowjetischen Besatzungszone bzw. in der DDR entstanden sind

1. Bedingungen der Literatur in der DDR
- Im Juli 1945 wird, unter Führung des Schriftstellers Johannes R. Becher, der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands gegründet. Der demokratische und antifaschistische Charakter des „Kulturbundes“ wird durch Autoren mit antisozialistischem Hintergrund, wie etwa Gerhard Hauptmann oder Thomas Mann, unterstrichen.
- Durch die Gründung der BRD und DDR, teilt sich auch das kulturelle Leben 1949 entzwei.
- 1950 entsteht die Doktrin des sozialistischen Realismus: Die Prinzipien Lebensechtheit, Volkstümlichkeit, sozialer Optimismus und Parteilichkeit müssen von den Autoren befolgt werden.
- 1953 wehrt sich brecht öffentlich gegen den sozialistischen Realismus („Nur Stiefel kann man nach Maß anfertigen lassen.“)
- 1954 wird das Leipziger Literaturinstitut gegründet, aufgrund der Forderung, dass Künstler in Produktion gehen sollen, um den sozialistischen Alltag künstlerisch zu gestalten.
- 1956 fordern Schriftsteller die Freiheit der Kunst und des Geistes.
- Nach dem Motto „Greif zur Feder, Kumpel“, findet 1959 ein Kongress im Kombinat Bitterfeld statt – 5 Jahre später gilt das Vorhaben als gescheitert
- Eine innere Stabilisierung des SED-Staates findet aufgrund des Mauerbaus 1961 statt.
- 1968 wird aufgrund ihres Romans „Nachdenken über Christa T.“, einer pessimistischen Grundhaltung beschuldigt
- Erich Honecker (neuer Erster Sekretär des ZK der SED): „Wenn man von der festen Position des Sozialismus ausgeht, kann es meines Erachtens auf dem Gebiet von Kunst und Literatur keine Tabus geben.“
- 1975 die Schlussakte der Konferenz von Helsinki wird unterzeichnet – 125000 Bürger stellen Ausreiseanträge für die BRD
- Autoren wie Christa Wolf, Sarah Kirsch, Stefan Heym protestieren gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns
- 1977 verfolgt die Stasi alle Schriftsteller, die sich weigern die Proteste gegen Biermanns Ausbürgerung zurückzunehmen -> Reiner Kunze, Sarah Kirsch, Jurek Becker, Jürgen Fuchs und Hans Joachim Schädlich verlassen die DDR
- 1979 – Strafen gegen Veröffentlichungen verschiedener Romane im Westen
- 1980 verfolgt die Stasi weiterhin alle kritischen Schriftsteller, bis sie die DDR verlassen
- 1983: Gründung der unabhängigen Zeitschrift Mikado
- 1987 fordern Günter de Bruyn und Christoph Hein öffentlich die Abschaffung der Zensur
- 1988: Demonstrationen zum Gedenken an die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts -> Festnahme von 120 Mitgliedern von Friedens- und Menschenrechtsgruppen
- 1989 – 40-jähriges Bestehen der DDR – Öffnung der Grenzen am 9. November – Lutz Rathenow schreibt über das Ende des SED-Staates: „ Bleiben wird von der DDR die Nachfrage, was eigentlich von ihr geblieben ist. Und es wird oft von ihr die rede sein. Selbst wenn ihr Name gar nicht fällt.“

Zu den bedeutendsten Schriftsteller in der DDR zählen unter anderem Reinhard Bernitzke, Jürgen Fuchs, Reiner Kunze, Christoph Hein, Christa Wolf, Irmtraud Morgner sowie Volker Braun.

Die Texte aus der Zeit der DDR sind heute nicht mehr dieselben wie damals. Die Leser haben früher die gesellschaftlichen Verhältnisse im Sozialismus automatisch im Hinterkopf mitgeführt, heute dagegen gehört diese Denkweise der Vergangenheit an. Mit dem Verschwinden der DDR und ihrer Strukturen, verschwindet auch eine Art Wirklichkeit der Texte, die Dimension ihrer Existenz. Heute werden deshalb die Texte anders gesehen und aufgefasst als vor dem Fall der Mauer.


2. Christa Wolf – Nachdenken über Christa T. ( Ausschnitt im Kennwort13, S. 219f)

„Christa T. stirbt an Leukämie, aber sie leidet an der DDR.“ (Marcel Reich-Ranicki)

Im Alter von 35 Jahren stirbt, die mit der Autorin befreundete Christa T. 1963 an Leukämie. Nach deren Tod versucht Christa Wolf sie anhand von hinterlassenen Aufzeichnungen zu verstehen. Christa T. zerbrach an dem Konflikt zwischen ihren persönlichen Ansprüchen und denen der Gesellschaft. "Sie zuckte davor zurück, sich selbst einen Namen aufzudrücken, das Brandmal, mit welcher Herde in welchen Stall man zu gehen hat."
Im Vorspann versichert Christa Wolf, Christa T. sei eine literarische Figur, jedoch sind die vielen autobiographischen Züge dennoch unverkennbar.

Wie auch in den Romanen von Max Frisch, ist der Leser aufgefordert, das geschehen aus verschiedenen Perspektiven zu rekonstruieren. Auf dem Schriftstellerkongress 1969 brach ein Streit um Christa Wolfs Romas aus, welcher dazu beitrug, dass Schriftsteller ein kritisches Bild der Wirklichkeit zeichneten und sich an den experimentellen Formen der westlichen Literatur orientierten. Der „neue Subjektivismus“ der 70er Jahre breitete sich nun nicht nur im Westen, sondern auch unter den Schriftstellern der DDR aus.

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Der Beitrag kommt leider etwas verspätet weil wir mit technischen Problemen zu kämpfen hatten.

Freitag, 18. Februar 2011

Von der Oper zum epischen Theater

Oper

Der Begriff „Oper“ kommt aus dem italienischen „Opera in musica“ und kann mit den Worten „musikalisches Werk“ übersetzt werden. Entstanden ist die Oper Ende des 16. Jahrhunderts, wobei sie seit 1639 als musikalische Gattung des Theaters bezeichnet wird. Bei der Oper werden szenisch-dramatische Handlungen durch Musik dargestellt. Zu einer Oper gehören verschiedene Elemente. So zum Beispiel die Musik, welche durch das Orchester dargestellt wird, sowie Dichtung, Schauspiel, Ballett, Bühnenbild, Beleuchtung, Maske und Kostüme. Vor allem die Musik ist der Träger der Handlung. Durch sie werden verschiedene Stimmungen und Gefühle ausgedrückt. Da in der Musikgeschichte verschiedenste Künste zusammengewirkt haben zeichnet sich die Oper durch viele verschiedene Ausprägungen aus.

So sind Opern außerdem von der Formvielfalt der verschiedenen Kompositionsstile und individuelle Lösungen der Komponisten geprägt. Die erste deutsche Oper, die (verschollene) Daphne von Heinrich Schütz entstand 1627. Insgesamt kann man sagen, dass es keine allgemeingültige Formel für die Struktur einer Oper gibt.

Oftmals ist es schwer zu unterscheiden zu welchen Stil ein Theaterstück gehört, so steht die „Dreigroschenoper“ von Weill dem Schauspiel näher, Brechts Werk „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ dagegen der Oper.

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Das Werk Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny fällt unter die Gattung Oper und ist in drei Akte unterteilt. Der Text stammt von Bertolt Brecht. Musikalisch unterlegt wird dieses Stück durch Musikstücke von Kurt Weill. Uraufgeführt wurde die Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ am 09. März 1930 in Leipzig. Die Handlung spielt in einer fiktiven Stadt namens Mahagonny in Nordamerika.

1. Akt

- Gauner Leokadja Begbick, Fatty und Dreieinigskeitsmoses wegen Betrug/Kuppelei gesucht, sind auf der Flucht

- Auto bleibt in einer einsamen Gegend stehen → sie beschließen dort eine Stadt zu gründen

- In der Stadt ist alles erlaubt → großer Zuwachs

- Mädchen namens Jenny lässt sich mit ihrer Begleitung dort nieder

- 4 Holzfäller aus Alaska (Jim Mahoney, Jack, Bill und Joe), welche in Alaska viel Geld verdient haben, kommen auch in Mahagonny an

- Leokadja(eine Gründerin der Stadt) schickt Mädchen Jenny zu den 4 Holzfällern, welche diese beklauen soll

- Jedoch verliebt sich Jim(Holzfäller) in Jenny

- Während des Aufschwungs der Stadt kommt es zu einer Krise → viele verlassen die Stadt

- Leokadja muss bleiben, weil sie gesucht wird und Jim der die Stadt verließ kommt wieder zurück

- Hurrikan nähert sich Stadt → erneuter Notstand; Jim denkt aber nur an die Tatsache das in Stadt alles erlaubt ist → er hat seiner Meinung nach sein höchstes Glück hier gefunden

2. Akt

- Hurrikan hat die Stadt verschont

- Jim’s Motto „Nichts ist verboten, alles erlaubt und käuflich“ hat Anhänger gefunden → Hochkonjunktur → Saufen, Huren, Sport als Lebensinhalt

- Joe wird bei Preisboxen von Dreieinigkeitsmoses erschlagen → keine Reaktion der Bewohner

- Jim hat durch Joe’s Tod kein Geld mehr, da er auf ihn gesetzt hat → kann Zeche nicht zahlen

- Freunde wollen oder können ihm nicht helfen → Joe wird eingesperrt

3. Akt

- Tobby Higgins des Mordes angeklagt → Freiheit durch hohes Lösegeld

- Jim wegen Zechprellerei und Diebstahl zum Tode verurteilt, da Geldmangel in Mahagonny als todeswürdiges Verbrechen gilt

- Vor Hinrichtung bekennt er sich zu seinen selbst gepredigten Prinzipien, verabschiedet sich von Jenny → wird getötet

- Leben in Mahagonny wird immer hemmungsloser → ihr Fall ist nicht mehr aufzuhalten


Das epische Theater nach Brecht

Das epische Theater geht in seiner Form auf Bertolt Brecht zurück. Nach dem 1.Weltkrieg war das Theater sehr vom Expressionismus geprägt und auch die Autoren die sich von ihm abwendeten blieben in Stil und Bühnengestaltung dennoch der expressionistischen Literatur verpflichtet. Die Abkehr und den letzten Höhepunkt dieser Epoche gestaltete Brecht mit seinem Werk "Baal".
In "Mann ist Mann" nahm Brecht 1926 erstmals ideologische Elemente auf, indem er versuchte die Welt im marxistischen Sinne als veränderbar zu interpretieren. In dieser veränderbaren Welt muss der Mensch nun also zum aktiven Gestalter werden - Ziel des epischen Theaters ist es, den Zuschauer zur aktiven Teilnahme an den Problemen des Stückes zu motivieren.

In seiner "Dreigroschenoper" nähert Brecht sich der Idee Richard Wagners von einem Gesamtkunstwerk an. Jedoch interpretiert er diese ganz anders. Wagner wollte alle Künste zu einer gemeinsam wirkenden Einheit verschmelzen, während Brecht darauf abzielte durch das Neben- und Gegeneinander der Kunstformen Wiedersprüche aufzudecken und zu verhindern, dass der Zuschauer sich mit den handelnden Figuren identifizieren kann. Auch wollte er damit Erkenntnisprozesse im Sinne des Marxismus beschleunigen.
Mackie Messer (Dreigroschenoper) - eine moderne Version von "The Slut", einer Band aus Ingolstadt und die ältere Version.


Das epische Theater nach Brecht steht trotz aller Unterschiede nicht im kompletten Gegensatz zum dramatischen Theater, jedenfalls verstand Brecht selbst es nicht so. Für ihn waren es nicht "absolute Gegensätze, sondern lediglich Akzentverschiebungen". Trotzdem stellt das epische Theater einen Eingriff in das System des geordneten Theaters dar. Das epische Theater soll zwar erzählend sein, aber den Zuschauer nicht in eine Geschichte hineinversetzen, sondern ihn dazu bringen, selbst aktiv zu werden, eigene Entscheidungen zu treffen und sich mit dem Gezeigten gegenüber zu stellen. Die Schauspieler sollen in ihrer Darstellung auch vermeiden sich selbst mit ihrer Rolle zu identifizieren und sich in sie hinein zu versetzen. Brecht verlangte von ihnen vielmehr ständige Reflexion, der Schauspieler sollte die Handlungen des Charakters zeigen und gleichzeitig bewerten. Brecht folgte dabei der Prämisse Karl Marx', nach der das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimmt. Eine wesentliche Methode dabei ist die Verfremdung, auf welche später genauer eingegangen wird.
Das epische Theater sollte allerdings auch in einem gewissen Sinne unterhaltsam sein, in dem Sinne, dass Produktivität Unterhaltsamkeit darstellt. Der Aspekt der Unterhaltung bestand für Brecht also in der Aktivität des Zuschauers, der allerdings auch zuhörte. Das Konzept der Episierung wurde von Brecht deshalb auch auf die Musik übertragen, der dafür die Bezeichnung Misuk schuf.

Als Marxist verstand Brecht seine Dramen als "Instrument der Aufklärung im Sinne einer revolutionären gesellschaftlichen Praxis" und beging somit mit seinem Theater in Teilen einen Bruch mit den vorherigen Theaterkonzeptionen. Sein Ziel war es aufzuklären, dazu müsse beim Zuschauer allerdings zuerst ein Denkprozess ausgelöst werden. Dazu musste sich dieser aber erst der Illusion des Theaters bewusst werden und dürfte sich nicht , wie in der klassischen Theatertheorie gefordert, von der Handlung gefangen nehmen lassen, mit dem Protagonisten Mitleid empfinden, das Geschehene als individuelles Schicksal empfinden und als solches hinnehmen. Er sollte sich vielmehr fragen, wie etwas an den Dargestellten Missständen geändert werden könnte und das Dargebotene als Parabel auf allgemeine gesellschaftliche Verhältnisse sehen. Brechts Dramentheorie ist eine politische Theorie, er versteht seine im Exil geschriebenen Stücke als Versuche für ein neuartiges Theater, das "Theater des wissenschaftlichen Zeitalters".

Brecht wollte also ein analytisches Theater, welches den Zuschauer zum distanzierten Nachdenken und Hinterfragen anregt. Um das zu erreichen verfremdete er das Spiel absichtlich, um es gegenüber dem wirklichen Leben auch als Schauspiel erkennbar zu machen.

Für Brecht standen das Theater und die Gesellschaft in einem ständigen Austausch und einer Wechselwirkung zueinander. Das Theater sollte die Gesellschaft wiederspiegeln und das im Theater Gesehene sollte den Zuschauer dazu anregen, über die Gesellschaft nachzudenken. Dieser Denkprozess sollte gesellschaftliche und politische Veränderungen in Gang setzen, weil der Zuschauer nicht mit den gegebenen und gezeigten Zuständen zufrieden ist und rebelliert - so Brecht. Er sah das Theater auch nicht in seiner gemeinhin elitären Stellung für die Oberschicht, sondern als Lehrstück insbesondere für das Proletariat.


Verfremdungseffekt (V-Effekt) – und seine Varianten

Der Verfremdungseffekt, auch V-Effekt genannt, ist ein literarisches Stilmittel und der Hauptbestandteil des Epischen Theaters nach Bertolt Brecht. Die Handlung wird hierbei durch Kommentare/Lieder so unterbrochen, dass jegliche Illusion des Zuschauers zerstört wird. Somit kann der Zuschauer eine kritische Distanz zum Dargestellten einnehmen. Der V-Effekt will dem Betrachter vertraute Dinge in einem neuen Licht zeigen und so Widersprüche der Realität sichtbar machen.

Varianten:

- Handlung durch Kommentare unterbrochen oder durch Figuren die aus der Rolle treten und sich ans Publikum wenden, um mit ihnen das Geschehene zu diskutieren

- Alternative Handlungsmöglichkeiten werden aufgezeigt, die Protagonisten unter anderen Umständen offengestanden hätten → Zuschauer sieht Mensch auf der Bühne nicht mehr als den dem Schicksal hilflos Ausgelieferten und Unveränderbaren → Mensch ist durch die Situation so geworden, aber man kann ihn sich auch so vorstellen wie er sein könnte

- Stilisierte Sprache: zum Teil in Versen gesprochen oder einzelne Szenen/Spruchbänder vorangestellt → Aufmerksamkeit des Zuschauers wird auf Art und Weise wie Handlung vorangetrieben wird gelenkt und nicht auf den Verlauf des Stücks

- Bühnengestaltung oft sparsam, wenig Requisiten, Straßenkleider anstatt zeitgemäßer Kostüme

- Schauspieler müssen Distanz zur Rolle wahren → Protagonist keine Identifikationsfigur → Vermeidung einer Beeinflussung des Zuschauers, Beweggründe des Protagonisten werden so kritisch betrachtet

- Figuren haben oft gleichnishaften Charakter, „Niemand“- oder „Jedermann“- Gestalten → beliebig austauschbar + folgen exemplarischen Verhaltensweisen

- Kaum Emotionen, werden vom epischen Theater von außen untersucht

- Konfrontation mit zeitgenössischen und gesellschaftspolitischen Problemen, diese meist Grund für das Handeln → Ziel: Aktivierung des Zuschauers zum Eingreifen in Politik/Gesellschaft

- Erzählweise weder linear noch chronologisch, sondern in Kurven

- Weitere Mittel: Chor als Kommentator, Verwendung von Schildern/Songs oder Filmsequenzen

- Verwendung von Dialekten wird auch als V-Effekt gewertet