Die auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich - zurzeit ein heiß diskutiertes Thema, zumindest bei uns in Deutschland. Aber gerade jetzt viel interessanter ist natürlich die Fußball-WM in Südafrika. Zumindest auf dem Gebiet der Unterschiede zwischen Arm und Reich bringt die Fußball-WM alle auf eine Ebene. Wenn ganz Deutschland zusammen beim „public viewing" jubelt, oder trauert, sind alle gleich - zumindest in Deutschland...
Südafrika - das Land der Fußball-WM 2010. Was fällt uns dazu ein? Viele neue, supermoderne und teure Stadien, teilweise sogar von deutschen Architekten entworfen, nagelneue Hotelkomplexe, mit allem erdenklichen Luxus, damit es der verwöhnten High Society auch an nichts fehlt, nicht zu vergessen die neu angelegte Infrastruktur. Bis zum Beginn der WM wollte die südafrikanische Regierung umgerechnet etwa 60 Milliarden Euro für die WM ausgeben. Ist ja auch unbedingt notwendig um dem europäischen bzw. westlichen Bedürfnis von Luxus gerecht zu werden. Im Verhältnis dazu sind die Kosten für Extrawünsche der Spieler, wie extra aus Italien eingeflogene Lebensmittel wie z.B. Nudeln, Tomaten, Käse oder Kaffeebohnen für die italienische Mannschaft ja nur „peanuts". Und natürlich auch absolut berechtigt! Aus diesen Gründen ist es ja auch nur allzu verständlich, dass hässliche Armensiedlungen, die natürlich nicht zu dem ganzen Luxus passen, geräumt werden müssen und die Bewohner vertrieben werden. Genauso wie die vielen Straßenkinder in Südafrika - wahrlich ein Schandfleck für das luxusverwöhnte, westliche Auge. Der Anblick von Menschen, die am Existenzminimum leben, stört natürlich das fröhliche Treiben und die ausgelassenen Feiern, auch den Fernsehzuschauern ist ein solches Bild natürlich nicht zumutbar, deswegen musste man logischerweise schon im Vorfeld dafür sorgen, dass man diese Menschen gar nicht zu Gesicht bekommt. Natürlich hat die WM für das Land absoluten Vorrang, deswegen ist es völlig klar, dass z.B. Programme zum sozialen Wohnungsbau in Südafrika durch die Budgeterfordernisse im Vorfeld der WM hinten angestellt werden. Wie gesagt - ein Luxushotel für reiche Touristen ist ja auch wichtiger als Menschen, die nichts haben, ein Dach über dem Kopf anbieten zu können. Die Fußball-WM im eigenen Land, ein Highlight für alle. Man erinnere sich an die WM 2006 in Deutschland, die Euphorie der Zuschauer, die vielen Fanmeilen, die ausgelassenen Partys, der Stolz auf das eigene Land und die „Wir können alles schaffen - Stimmung". Dumm nur, dass in Südafrika viele Menschen so arm sind, dass sie nicht einmal einen Fernseher besitzen bzw. der tägliche Überlebenskampf wenig Zeit lässt, sich für Fußball zu interessieren. Viele Südafrikaner bekommen also von der WM nichts mit, außer die vielen geldausgebenden Touristen, die nicht wissen, in welcher Bar sie zuerst feiern sollen, und einer Regierung, der offensichtlich das Ansehen und Prestige vom Rest der Welt wichtiger ist als die das eigene Volk.
Ja - so eine WM ist schon toll für ein Land. Somit stellt sich die Frage, ob es wirklich sein muss, die Weltmeisterschaft in Ländern auszutragen, in denen der Gegensatz zwischen Arm und Reich so riesig ist, wie es für uns kaum vorstellbar ist. Die Antwort lautet offensichtlich „ja". Somit können wir uns auf viele weitere Weltmeisterschaften freuen, die dann vielleicht in China, Indien oder irgendeinem anderen Land mit riesiger Kluft zwischen Arm und Reich stattfinden. Aber von alldem bekommen wir als Touristen oder Fernsehzuschauer ja Gott sei Dank nichts mit.
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Glosse von Amalia
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3 Kommentare:
Ich finde die Glosse äußerst ansprechend,weil diese Kluft zwischen Arm und Reich insgesamt auf der Welt immer weiter aufklafft.In den Medien wird zwar viel über die WM in Südafrika berichtet,allerdings habe ich bis jetzt noch nicht über die Armenvierteln gesehen.Man merkt,dass dies bewusst gemacht wird um die Stimmung nicht zu trüben.Es ist wirklich Wahnsinn wie viel Geld für die WM ausgegeben wird,wenn man bedenkt wie viele Weisenkinder man davon ernähren könnte.
Am Schluss der Glosse ja kritisiert, WM´s in armen Ländern stattfinden zu lassen.Ich finde allerdings,dass es für die Menschen dort gar nicht so schlecht ist,wenn eine so große Veranstaltung in ihrem Land stattfindet,da viele von den Touristen leben.
Ich finde, dass du ein gutes Thema für deine Glosse gefunden hast, weil ncht nur, aber gerade wohl besonders jetzt das Thema der immergrößer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich aktuell ist. Allerdings habe ich schon vereinzelt über die Armenviertel gehört, daran merkt man, dass sich manche Medien bemühen, Afrikas wahres Gesicht zu zeigen und den Menschen klar zu machen, wie es normalerweise dort zugeht. Ich finde, dass du dieses Thema sehr geistreich und gekonnt ironisch an den Leser bringst und ihm auf witzige Art und Weise dein Anliegen verdeutlichst. So z.B. wenn du die "Extrawünsche der Spieler" erwähnst, was für uns wahrscheinlich zum Teil völlig normal ist,in Afrika aber eigentlich nicht Gang und Gebe ist. Auch die Formulierung "ein Luxushotel für reiche Touristen ist ja auch wichtiger als Menschen, die nichts haben, ein Dach über dem Kopf anbieten zu können" zeigt noch einmal deutlich die Ironie und weckt vielleicht manche aud der Traumvorstellung auf, dass Afrika ein unbeschwertes, reiches Land mit viel Luxus ist - denn das ist es eindeutig nicht.
Ich denke, die Glosse ist deshalb sehr gelungen, weil die Autorin, im Gegensatz zu vielen anderen, ein sehr brisantes Thema aufgreift. Sie beschreibt die Situation ironisch, veranlasst ihre Leser humorvoll dazu sich mit dem Problem zu befassen, vergisst dabei aber auch nicht den Ernst der Sache.
Ebenfalls sehe ich in der Glosse nicht nur Kritik an den Medien, sondern besonders an der Gesellschaft. Denn wer will während der Weltmeisterschaft schon was von der armen, hungerleidenden Bevölkerung des Gastgeberlandes sehen oder hören? Wir wollen feiernde, jubelnde Menschen sehen, die schöne Landschaft und die Prachtbauten geniesen. Aber wenn es um Not, Leid und Hunger geht, sind wir schnell bereit wegzusehen.
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