Die Literatur in der DDR umfasst alle Werke, die ab 1945 in der sowjetischen Besatzungszone bzw. in der DDR entstanden sind
1. Bedingungen der Literatur in der DDR
- Im Juli 1945 wird, unter Führung des Schriftstellers Johannes R. Becher, der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands gegründet. Der demokratische und antifaschistische Charakter des „Kulturbundes“ wird durch Autoren mit antisozialistischem Hintergrund, wie etwa Gerhard Hauptmann oder Thomas Mann, unterstrichen.
- Durch die Gründung der BRD und DDR, teilt sich auch das kulturelle Leben 1949 entzwei.
- 1950 entsteht die Doktrin des sozialistischen Realismus: Die Prinzipien Lebensechtheit, Volkstümlichkeit, sozialer Optimismus und Parteilichkeit müssen von den Autoren befolgt werden.
- 1953 wehrt sich brecht öffentlich gegen den sozialistischen Realismus („Nur Stiefel kann man nach Maß anfertigen lassen.“)
- 1954 wird das Leipziger Literaturinstitut gegründet, aufgrund der Forderung, dass Künstler in Produktion gehen sollen, um den sozialistischen Alltag künstlerisch zu gestalten.
- 1956 fordern Schriftsteller die Freiheit der Kunst und des Geistes.
- Nach dem Motto „Greif zur Feder, Kumpel“, findet 1959 ein Kongress im Kombinat Bitterfeld statt – 5 Jahre später gilt das Vorhaben als gescheitert
- Eine innere Stabilisierung des SED-Staates findet aufgrund des Mauerbaus 1961 statt.
- 1968 wird aufgrund ihres Romans „Nachdenken über Christa T.“, einer pessimistischen Grundhaltung beschuldigt
- Erich Honecker (neuer Erster Sekretär des ZK der SED): „Wenn man von der festen Position des Sozialismus ausgeht, kann es meines Erachtens auf dem Gebiet von Kunst und Literatur keine Tabus geben.“
- 1975 die Schlussakte der Konferenz von Helsinki wird unterzeichnet – 125000 Bürger stellen Ausreiseanträge für die BRD
- Autoren wie Christa Wolf, Sarah Kirsch, Stefan Heym protestieren gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns
- 1977 verfolgt die Stasi alle Schriftsteller, die sich weigern die Proteste gegen Biermanns Ausbürgerung zurückzunehmen -> Reiner Kunze, Sarah Kirsch, Jurek Becker, Jürgen Fuchs und Hans Joachim Schädlich verlassen die DDR
- 1979 – Strafen gegen Veröffentlichungen verschiedener Romane im Westen
- 1980 verfolgt die Stasi weiterhin alle kritischen Schriftsteller, bis sie die DDR verlassen
- 1983: Gründung der unabhängigen Zeitschrift Mikado
- 1987 fordern Günter de Bruyn und Christoph Hein öffentlich die Abschaffung der Zensur
- 1988: Demonstrationen zum Gedenken an die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts -> Festnahme von 120 Mitgliedern von Friedens- und Menschenrechtsgruppen
- 1989 – 40-jähriges Bestehen der DDR – Öffnung der Grenzen am 9. November – Lutz Rathenow schreibt über das Ende des SED-Staates: „ Bleiben wird von der DDR die Nachfrage, was eigentlich von ihr geblieben ist. Und es wird oft von ihr die rede sein. Selbst wenn ihr Name gar nicht fällt.“
Zu den bedeutendsten Schriftsteller in der DDR zählen unter anderem Reinhard Bernitzke, Jürgen Fuchs, Reiner Kunze, Christoph Hein, Christa Wolf, Irmtraud Morgner sowie Volker Braun.
Die Texte aus der Zeit der DDR sind heute nicht mehr dieselben wie damals. Die Leser haben früher die gesellschaftlichen Verhältnisse im Sozialismus automatisch im Hinterkopf mitgeführt, heute dagegen gehört diese Denkweise der Vergangenheit an. Mit dem Verschwinden der DDR und ihrer Strukturen, verschwindet auch eine Art Wirklichkeit der Texte, die Dimension ihrer Existenz. Heute werden deshalb die Texte anders gesehen und aufgefasst als vor dem Fall der Mauer.
2. Christa Wolf – Nachdenken über Christa T. ( Ausschnitt im Kennwort13, S. 219f)
„Christa T. stirbt an Leukämie, aber sie leidet an der DDR.“ (Marcel Reich-Ranicki)
Im Alter von 35 Jahren stirbt, die mit der Autorin befreundete Christa T. 1963 an Leukämie. Nach deren Tod versucht Christa Wolf sie anhand von hinterlassenen Aufzeichnungen zu verstehen. Christa T. zerbrach an dem Konflikt zwischen ihren persönlichen Ansprüchen und denen der Gesellschaft. "Sie zuckte davor zurück, sich selbst einen Namen aufzudrücken, das Brandmal, mit welcher Herde in welchen Stall man zu gehen hat."
Im Vorspann versichert Christa Wolf, Christa T. sei eine literarische Figur, jedoch sind die vielen autobiographischen Züge dennoch unverkennbar.
Wie auch in den Romanen von Max Frisch, ist der Leser aufgefordert, das geschehen aus verschiedenen Perspektiven zu rekonstruieren. Auf dem Schriftstellerkongress 1969 brach ein Streit um Christa Wolfs Romas aus, welcher dazu beitrug, dass Schriftsteller ein kritisches Bild der Wirklichkeit zeichneten und sich an den experimentellen Formen der westlichen Literatur orientierten. Der „neue Subjektivismus“ der 70er Jahre breitete sich nun nicht nur im Westen, sondern auch unter den Schriftstellern der DDR aus.
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Samstag, 19. Februar 2011
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