Donnerstag, 17. Februar 2011

Nachkriegszeit und Ära Adenauer - Zwischen Trümmern

Heinrich Böll: Bekenntnis zur Trümmerliteratur

Als Trümmerliteratur bezeichnet man die literarischen Entstehungen nach dem Kriegsende 1945. Die in Deutschland lebenden Menschen dieser Zeit lebten keinesfalls idyllisch, sondern waren umgeben von Trümmern, die der Krieg verursacht hat. Daher der Ausdruck "Trümmerliteratur". Zwei weitere prägende literarische Schlagwörter waren zum einen die Kriegsliteratur, zum anderen die Heimkehrerliteratur. Alle diese drei Neuschöpfungen entstanden in der Nachkriegszeit.
Die Menschen zu dieser Zeit sahen das Schreckliche und verdrängten dies nicht weiter, die Autoren schrieben die Tatsachen nieder, weswegen sie oft kritisiert wurden. Die gehört allerdings, in Heinrich Bölls Worten, "zum Handwerkszeug des Schriftstellers. Die Aufgabe der Nachkriegsautoren bestand darin, daran zu erinnern, dass die Gesellschaft nicht nur äußere Schäden hinnehmen musste, wie die Zerstörung ihrer Häuser, Kirchen etc., sondern durch den Krieg auch eine psychische Zerstörung folgte. Der Heilungsprozess dieser inneren Zerstörung dauerte weitaus länger als die der äußeren.
Vergleichen lässt sich die Kriegs-, Trümmer- und Heimkehrerliteratur außerdem mit Homers Werken, die vom trojanischen Krieg handeln, welcher ebenfalls von Zerstörung geprägt ist. Deshalb sollten sich die Autoren dre literarischen Nachkriegsneuschöpfung nicht davon abhalten lassen, die Begriffe zu verwenden.

Keine Stunde Null

Die Literatur der Nachkriegszeit lässt sich mit dem einfachen Ausdruck "Bewältigung der Vergangenheit" beschreiben. Diese ist besonders geprägt von der materiellen Not und der geistigen Orientierungslosigkeit der Autoren. Sie standen im Zwiespalt: Lebenserhalt oder Würde?
Das Hauptthema dieser Zeit war natürlich der Krieg. Autoren widmeten sich der nüchternen Bestandsaufnahme der vorliegenden Situation.
Prägend waren vor allem die Autoren, welche zwar im Hitler- Deutschland geblieben sind, aber sich nicht dem nationalsozialistischen Gedankengut unterworfen haben. Der Fachausdruck für diese Gesinnung ist "innere Emigration". Sie waren der Meinung, dass man die Vergangenheit, also die Katastrophe welche sie erfahren mussten, nur durch die Rückbesinnung auf traditionelle Werte bewältigen könne.
Eine weitere wichtige Schöpfung der Nachkriegszeit war die Exilliteratur. Viele Autoren mussten zu Kriegsbeginn, oder auch während des Krieges Deutschland verlassen. Um ihren Einfluss, welchen sie vor den Krieg schon hatten, wieder zurückzugewinnen, setzten sie da an wo sie 1933 aufgehört hatten. Der wohl einflussreichste Autor hier war wahrscheinlich Thomas Mann, der außerdem seine Kollegen der "inneren Emigration" kritisierte, da sie seiner Meinung nach durch ihre Literatur die Machterweiterung Hitlers trotzdem unterstützten, auch wenn diese das vehement bestritten. Aus Sicht der Exilliteraten kann man den Ausdruck "Nullpunkt" nicht verwenden, weil ja nicht eine völlig neue Epoche entstand, sondern an alten Begebenheiten angeknüpft wurde. Aber besonders die jungen Autoren wollten genau diesen Neuanfang und werden somit Vertreter der "Zwischengeneration". Ein besonders bekannter Literat dieser Zeit war z.B. Erich Kästner. Sie waren Zeit ihres Autoren-Daseins Hitlers Diktatur unterworfen, was sich logischerweise aus ihrem jungen Alter ergibt.
Die Diskussion um eine neue Literatur wurde vor allem in der Schriftstellervereinigung "Gruppe 47" im April 1947 weitergeführt. Herausragende Mitglieder waren unter anderem Alfred Andersch, Günter Eich und Wolfdietrich Schnurre. Auch sie kritisierten besonders die "innere Emigration", die aus ihrer Sicht die "Idealisierung, Zeitferne und poetische Verklärung" verkörpert. Sie wendeten sich mehr und mehr der ausländischen Literatur zu, vor allem dem französischen Existanzialismus. Auch der amerikanische Realismus fand bei dem jungen Autoren der Nachkriegszeit Anklang, insbesondere die von Ernest Hemingway präsentierte "short story" (dt. Kurzgeschichte). Als ansprechend wirken hierbei die alltagsnahe Sprache, sowie die Nähe zur Realität und der offene Schluss. Die Wirkllichkeit, also die Bestandsaufnahme wirkt dadurch authentisch auf den Leser.
Außerdem wird auf die jungen Autoren, wie vorhin bereits erwähnt, besondere Hoffnung gesetzt, weil für diese ihre einzige bekannte Welt zusammenbrach. Diese Hoffnung erfüllten diese, weil sie eine wahre Wirklichkeitsbeschreibung darlegten und nicht etwa beschönigende Beschreibungen.



Ein Beispiel für eine typische Kurzgeschichte aus dre Trümmerliteratur ist "Das Begräbnis" von Wolfdietrich Schnurre (http://uwe-henseler.de/index.php?option=com_content&task=view&id=96&Itemid=36)



Inhalt
· Der Erzähler findet vor seiner Haustür in deinem Brief die Todesanzeige von Gott
· Auf dem Weg zum Friedhof begegnet er Manschen, die auf den Tod genauso
gleichgültig reagieren, wie er selbst
· Der Erzähler ist der einzige, der sich verpflichtet fühlt zu der Beerdigung zu gehen
· Bei der Beerdigung sind insgesamt nur acht Personen anwesend, Erzähler und Pfarrer sind
hier mit eingeschlossen
· Die Beerdigung findet mit viel Desinteresse statt, der Pfarrer bricht seine Trauerrede ab
und durch ein Missgeschick fällt sogar der Leichnam aus dem Sarg
· Alle beteiligten verlassen den Friedhof mit Vorfreude auf den Abend

Form/Sprache
· Ich-Erzähler (kein Name)
· Unmittelbarer Einstieg (typisch für Kurzgeschichte)
· Einfache, kurze Sätze
· Umgangssprache
· Keine sprachlichen Ausschmückungen
· Nüchterne Ausdrücke
· Oft fehlende Verben→ keine Emotionen
· Präsens als Zeitform→ Unmittelbarkeit der Erzählung


Wirkung/Interpretation
· Tod Gottes als Darstellung des Glaubensverlustes in der Gesellschaft
· Durch das Kriegsleid ging der Glaube an Gott verloren
· Ein Teil der Bevölkerung (der Erzähler) hält an den Traditionen und am Glauben fest
· Entstehung einer trostlosen Stimmung
· Viele militärischen Verweise →die Gesellschaft in der Nachkriegszeit ist immer noch stark
vom Krieg geprägt



Eintypisches Beispiel für ein Gedicht aus der Nachkrieszeit ist "Inventur" von Günter Eich.

Günther Eich: Inventur (1947)

Dies ist meine Mütze,
dies ist mein Mantel,
hier mein Rasierzeug
im Beutel aus Leinen.

Konservenbüchse:
Mein Teller, mein Becher,
ich hab in das Weißblech
den Namen geritzt.

Geritzt hier mit diesem
kostbaren Nagel,
den vor begehrlichen
Augen ich berge.

Im Brotbeutel sind
ein Paar wollene Socken
und einiges, was ich
niemand verrate.

So dient es als Kissen
nachts meinem Kopf.
Die Pappe hier liegt
zwischen mir und der Erde.

Die Bleistiftmine
lieb ich am meisten:
Tags schreibt sie mir Verse,
die nachts ich erdacht.

Dies ist mein Notizbuch,
dies ist meine Zeltbahn,
dies ist mein Handtuch,
dies ist mein Zwirn.

Form/Sprache
· Sieben Strophen mit jeweils vier Versen
· Kein Versmaß, kein Reim
· Einige Enjambements
· Viele Substantive ohne beschreibende Adjektive
· Karge Sprache ohne Verzierungen
· Keine Vorstellung des lyrischen Ichs
· Lebensumstände des lyrischen Ichs treten durch seine wenige Habe in den Vordergrund

Interpretation
· Das lyrische Ich kann als Kriegsgefangener beschrieben werden
· Es wird deutlich, wie wenig Besitz die Kriegsgefangenen, sowie die Bevölkerung in der Nachkriegszeit hatten
· Durch die Liebe des lyrischen Ichs zu der Bleistiftmine wird der Erzähler individualisiert und ist nicht ein Heimkehrer aus vielen
· Die Bleistiftmine ist ein Zeichen, das für die Kommunikation steht und für die Verarbeitung der Emotionen in der Literatur
· Das „Ich“ steht im Vordergrund →Abschottung des Individuums vor dem Nationalsozialismus ( fehlendes „Du“)

bearbeitet von Macke Judith und Strehl Teresa