Franz Kafka (* 3. Juli 1883 in Prag, † 3. Juni 1924)
- Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie
- Studium der Rechtswissenschaft
- 14jährige Anstellung in einer Versicherungsgesellschaft
- privates Lebens von persönlichen Schwierigkeiten und Belastungen geprägt
- Erkrankung im Alter von 34 Jahren an Tuberkulose
Kafkas Werk
- Erzählungen und Romane in Parabelstruktur (Eine Parabel ist eine lehrhafte und kurze Erzählung, welche Fragen der Moral, durch die Übertragung in einen anderen Vorstellungsbereich begreifbar machen soll)
- Sein zentrales Thema: der vereinsamte und sich selbst entfremdete Mensch, der den Nächsten und die Gesellschaft, staatliche Ordnungsformen und göttliche Allmacht als unerkennbar bedrohende Wirklichkeit erfährt
TIPP: Lies zunächst die Parabel „Der Aufbruch“ durch, dann überlege dir welche tiefere Bedeutung die fett formatierten Schlüsselbegriffe für die Aussage des Textes haben.
„Der Aufbruch“ (1936)
Ich befahl mein Pferd aus dem Stall zu holen. Der Diener verstand mich nicht. Ich ging selbst in den Stall, sattelte mein Pferd und bestieg es. In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen, ich fragte ihn, was das bedeute. Er wusste nichts und hatte nichts gehört. Beim Tore hielt er mich auf und fragte: „Wohin reitest du, Herr?" „Ich weiß es nicht", sagte ich, „nur weg von hier, nur weg von hier. Immerfort weg von hier, nur so kann ich mein Ziel erreichen." „Du kennst also dein Ziel?" fragte er. „Ja", antwortete ich, „ich sagte es doch: ,Weg-von-hier`, das ist mein Ziel." „Du hast keinen Essvorrat mit", sagte er. „Ich brauche keinen", sagte ich, „die Reise ist so lang, dass ich verhungern muss, wenn ich auf dem Weg nichts bekomme. Kein Essvorrat kann mich retten. Es ist ja zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise."
Schlüsselbegriffe:
- „Trompete“: Signal zum Aufbruch --> Etwas Neues beginnt, Zeichen für eine Veränderung
- „Weg-von-hier": Leben als ständige Reise, „Der Weg ist das Ziel“, „Wer rastet der rostet“
- „Essvorrat“: Der Mensch hat keinen Einfluss auf den Lauf der Dinge, er muss sich allen Veränderungen immer wieder neu anpassen
- „Zum Glück“: Der Weg zum Glück(lich sein) ist nicht planbar/ glücklicherweise liegt nicht alles im Einflussbereich des Menschen
Wie jede Parabel lässt sich auch „Der Aufbruch“ an einer geometrischen Parabel verdeutlichen, ein Ast steht für die Bildebene und der andere für die Sachebene. Die Bildebene zeigt das im Vordergrund stehende Geschehen und hat eine symbolische Bedeutung für den Leser. Die Sachebene steht für die Aussageabsicht des Erzählers.

Beitrag von Gloria und Vanessa
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